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Die nachfolgenden Links, Infos + Texte stellen keine Rechtsberatung dar. Bei Erstellung der Texte haben wir uns bemüht, eine auch für Nichtsteuerfachleute verständliche Ausdrucksweise zu wählen. Dies geht teilweise zu Lasten einer am Gesetzeswortlaut orientierten Präzision. Für die Inhalte kann trotz größtmöglicher Sorgfalt keinerlei Gewähr übernommen werden. Bitte sprechen Sie über Konkretes mit dem Berater Ihres Vertrauens oder gerne auch mit uns.

 

Unternehmensteuerreform: Auswirkungen der Änderungen bei der Gewerbesteuer ab 2008

Im Rahmen der Unternehmensteuerreform wurde das Gewerbesteuergesetz insoweit geändert, dass dies im Ergebnis zu einer deutlichen Ausweitung der gewerbesteuerlichen Besteuerung führt. Obwohl die Neuregelungen erst ab dem Jahre 2008 greifen, sind bereits heute Überlegungen anzustellen, um eine höhere Gewerbesteuerbelastung zu vermeiden.

Zum besseren Verständnis der Neuerungen sind einige Grundkenntnisse über die Gewerbesteuerberechnung erforderlich.

Hierzu folgendes vereinfachtes Schema:

gewerbest_002

Rechnerisch müsste die Gewerbsteuer im Jahre 2007 deutlich höher liegen. Da die Gewerbesteuer jedoch als solches eine steuerlich abzugsfähige Betriebsausgabe ist, mindert sie selbst die eigene Bemessungsgrundlage. Nach einem mathematischen Annäherungsverfahren erfolgte bisher die Berechnung. Ab 2008 ist die Gewerbesteuer jedoch nicht mehr als Betriebsausgabe steuerlich abzugsfähig.  Damit entfallen zukünftig alle komplizierten Rückstellungsberechnungen hierzu. Die Gesamtsteuerbelastung des betrieblichen Gewinns kann ab dem Jahre 2008 durch die Addition der Gewerbesteuer und der anfallenden Einkommen- / Körperschaftsteuer ermittelt werden.

Im Gegenzug wurde als Entlastung die Steuermesszahl von bisher 5% auf 3,5% abgesenkt.

Ohne Berücksichtigung des Freibetrags für Personenunternehmen ermittelt sich die Gewerbesteuer somit nach folgendem Schema:

Gewerbesteuerlicher Gewinn x Steuermesszahl x Hebesatz der Gemeinde

 

Beispiel:

Gewinn 50.000€ x Steuermesszahl 3,5% = Steuermessbetrag 1.750€

x Hebesatz der Gemeinde von 400% = 7.000€ Gewerbesteuer 2008

gewerbest_004


Einzelunternehmer und Personengesellschaften wird ein Gewerbesteuerfreibetrag von 24.500€ gewährt (§ 11 Abs. 1 Nr. 1 GewSt). Darüber hinaus wurde für bis zu weitere 48.000Euro Gewinnanteile ein Staffeltarif gewährt. Der Staffeltarif wird letztmalig für das Jahr 2007 gewährt.

Die Kapitalgesellschaften (GmbH u.a.) sind ab 2008 durch die Absenkung des Körperschaftsteuersatzes von 25% auf 15% begünstigt.

Um dies gegenüber Personenunternehmen auszugleichen, wird die Gewerbesteuer in Höhe des 1,8 fachen Steuermessbetrages (ab 2008 des 3,8 fachen) auf die zu zahlende Einkommensteuer angerechnet.

Bis zu einem Hebesatz von 380% kann die Gewerbesteuer

damit vollständig mit der Einkommensteuer verrechnet werden!

 

Beispiel:

gewerbest_006

  

Problemfelder: 

1. Mangelnde Einkommensteuerbelastung

Die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer geht dann ins Leere, wenn aufgrund der persönlichen Einkommensverhältnisse des Steuerpflichtigen überhaupt keine oder eine unter der Gewerbesteuerbelastung liegende Einkommensteuer anfällt! Dies kann aus Verlusten aus anderen Einkunftsarten wie Vermietung und Verpachtung, aus Verlusten anderer Gewerbebetriebe, aufgrund hoher familienbedingter Freibeträge, aus Verlustvorträgen oder anderen Steuerbegünstigungen resultieren.

2. Mehrere Gesellschafter

Bei Personengesellschaften / Mitunternehmerschaften erfolgte die Aufteilung des Anteils am Gewerbesteuermessbetrages nach den gesetzlichen oder – soweit vorhanden – gesellschaftsvertraglichen Gewinnverteilungsregeln. Vorabvergütungen und Gewinne aus Sonder- / Ergänzungsbilanzen bleiben hierbei unbedeutend.

Im Ergebnis kann dies dazu führen, das sich bei einem Gesellschafter die anteilige Gewerbesteuer steuermindernd auswirkt und beim anderen Gesellschafter nicht.

 Mögliche gestalterische Gegenmaßnahmen:

Frühzeitige Durchführung einer Steuerplanung zur Ermittlung eines etwaigen Gewerbesteuerüberhangs.

Reduzierung von Verlusten im Bereich Vermietung + Verpachtung
Verteilung von Reparaturaufwendungen auf mehrere Jahre

Steuerliche Optimierung durch Wechsel der Veranlagungsart bei Ehegatten

Überprüfung der Gewinnverteilungsregelungen beim Gesellschaftsvertrag

Gewerbesteuerlicher Gewinn

Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer ist nicht etwa der Gewinn lt. Bilanz oder Einnahmen- / Ausgabenrechnung, sondern der um Hinzurechnungen und Kürzungen nach dem Gewerbesteuergesetz ermittelte gewerbesteuerliche Gewinn. Die Anzahl der Hinzurechnungen zum ertragssteuerlichen Gewinn wurde als Gegenfinanzierungsmaßnahme im Rahmen der Unternehmensteuerreform deutlich erhöht. Im Ergebnis kann es zu einer Gewerbesteuerbelastung auch dann kommen, wenn kein ertragsteuerlicher Gewinn vorliegt. Durch geeignete Maßnahmen kann dem bereits jetzt entgegengesteuert werden. Zunächst die Informationen zu den steuerlichen Hinzurechnungen:

Zukünftig werden 25% aller Zinsanteile dem Gewerbeertrag hinzugerechnet, soweit der Freibetrag von 100.000 € überschritten wird. Dies kann bei mittleren Unternehmen schnell der Fall sein.

Kurzinfos zu den Zinsanteilen die den gewerbesteuerlichen Gewinn erhöhen:

  • Zinsen zu 100%, unabhängig von der Laufzeit des Darlehens. Also auch bei KK-Linien etc.
  • Renten- und dauernde Lasten zu 100%
  • Gewinnanteile zu 100% eines typisch stillen Gesellschafters (Darlehensgeber)
  • Lizenz- und Konzessionsgebühren zu 25% soweit die Lizenzen / Konzessionen vom Unternehmen genutzt und nicht im Rahmen des Vertriebs weitergereicht werden.
  • Mieten, Pachten und Leasingraten zu 20% soweit sie auf bewegliche Wirtschaftsgüter entfallen.
  • Mieten, Pachten und Leasingraten zu 65% (nachgebessert!)  soweit sie auf unbewegliche Wirtschaftsgüter entfallen.

Es werden 25% der so ermittelten Zinsanteile gewinnerhöhend berücksichtigt soweit sie den Freibetrag von 100.000€ übersteigen.

 

Hierzu ein Beispiel:

gewerbest_008

 

Es ist nun leicht erkennbar, dass es hier auch bei Verlusten im Unternehmen durch die Hinzurechnungen zu einer Steuerlast kommen kann. Die Gewerbesteuer stellt damit eine teilweise gewinnunabhängige Betriebsausgabe dar, die in die Unternehmenskalkulation einbezogen werden muss.


Berechnungsbeispiel: GMBH:

gewerbest_010

 

Nach den noch bis zum 31.12.2007 geltenden Regelungen werden „nur“ 50% der Zinsaufwendungen für Dauerschulden hinzugerechnet. Die neuen Regelungen werden – wie am Beispiel erkennbar ist  - zu einer deutlich höheren Gewerbesteuerbelastung führen.

 

Gestaltungstipps / Kritische / zu überprüfende Bereiche

durch die neuen Hinzurechnungsregelungen:

  • Kauf + Finanzierung statt Leasing

Hinweis: Zinsen werden nur zu 25% berücksichtig, Leasing- und Mietraten jedoch zu 65%

  • Betriebsaufspaltung

Hinweis: Folgen der gewerbesteuerlichen Änderungen prüfen!

  • Mietaufwendungen aus Mietverträgen mit Angehörigen

Hinweis: Folgen der gewerbesteuerlichen Änderungen prüfen!

  • Eigenkapitalrisiken wegen der Erhebung auf Steuer auch bei Verlusten prüfen!

 

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